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„… mein Blut für Euch“ – Theologen diskutieren die Bedeutung des Todes Jesu

Lebenshingabe, Opfer, Stellvertretung … Was bedeutet der Kreuzestod Jesu? Dieser kontrovers diskutierten Frage gehen Religionswissenschaftler vom 15. bis 17. Oktober auf dem Saarbrücker Campus auf den Grund. Führende Vertreter verschiedener theologischer Disziplinen geben Einblick in ihre Erkenntnisse aus religions-geschichtlicher, exegetischer, systematisch- und praktisch-theologischer Perspektive und stellen sich der Diskussion. Die Saarbrücker Professoren für Evangelische Theologie Wolfgang Kraus, Michael Hüttenhoff und Karlo Meyer veranstalten das Symposium, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird.

„… mein Blut für Euch“. Lebenshingabe, Opfer, Stellvertretung
15. bis 17. Oktober, Campus Saarbrücken, Gebäude A4 2, 3. Stock.
Die Medien und interessierte Zuhörer sind herzlich willkommen. Um vorherige Anmeldung wird gebeten: 0681/302-23 49.
Programm: www.uni-saarland.de/fachrichtung/evangelischetheologie/aktuelles.html

Warum und wozu musste Jesus sterben? Seit zwei Jahrtausenden zählt dies zu den elementaren Grundfragen des christlichen Glaubens. Die Deutung des Todes Jesu ist aktuell heftig umstritten. „Mit der Tagung wollen wir einen Beitrag leisten, Jesu Tod für die heutige Zeit verständlich auszulegen und außerdem auszuloten, wie wir dies in Predigt und Unterricht vermitteln können“, erklärt Wolfgang Kraus, Professor für Evangelische Theologie an der Universität des Saarlandes, der die Tagung initiiert hat und mitveranstaltet.

„International führende Vertreter theologischer Disziplinen kommen zu Wort, die den jeweiligen Stand der Forschung aufgrund eigener Studien mitbestimmt haben. Sie zeigen ihre Erkenntnisse aus den verschiedenen Perspektiven auf und stellen sich dem Diskurs“, sagt Professor Kraus. Darunter sind unter anderem die Bibelwissenschaftler Christian Eberhart (Houston), Jan Willem van Henten (Amsterdam) und Jörg Frey (Zürich), der polnisch-österreichische Theologe Józef Niewiadomski (Innsbruck) und der Religionspädagoge Michael Fricke (Regensburg).

„Jesus ist nach dem Neuen Testament ´für uns` gestorben. Die Frage, die sich stellt, ist, was ´für uns` dabei bedeutet: Uns zu Gute? Zu unserem Vorteil? An unserer Stelle?“, erläutert Kraus. „Traditionell verstand die Theologie dies im Sinne von ´an unserer Stelle`: zur Strafe für unsere Sünden, so die mittelalterliche Satisfaktionstheorie des Anselm von Canterbury. Gott Vater, durch die Sünden der Menschen in seiner Heiligkeit verletzt, wird durch den Tod Jesu versöhnt. In der Versöhnungslehre wird Gott zum Objekt des Versöhnungshandelns, Jesus als Opfer gegenüber Gott, der den Menschen daraufhin verzeiht.“ Die Reformation griff diese Deutung teils auf, teils veränderte sie sie. „Schon bei Kant, aber besonders seit dem 19ten Jahrhundert wird diese Sicht in Frage gestellt. Im 20ten Jahrhundert rückte die Opferdiskussion in den Mittelpunkt, und ein neues Verständnis von Opfer, Stellvertretung, Lebenshingabe wurde herausgearbeitet“, sagt der Evangelische Theologe. Ob die Kreuzigung Jesu als Sühneopfer zu verstehen ist, das Voraussetzung der Vergebung der Sünden ist, ist heute heftig umstritten.

Bei der Tagung beleuchten die Wissenschaftler religionswissenschaftliche, alt- und neutestamentliche sowie systematisch-theologische Perspektiven zum Verständnis des Todes Jesu und hinterfragen, wie dieser in der Bibel gemeint ist. „Die Bibel spricht in Bildern, in Metaphern. Diese gilt es auszulegen“, erklärt Wolfgang Kraus. So unterscheide sich zum Beispiel das Opfer-Verständnis aus griechisch-römischer Sicht fundamental von dem des Altem Testaments und des Judentums. „Während nach griechisch-römischem Verständnis die Götter durch ein Opfer freundlich gestimmt werden sollen – der Mensch hat gesündigt, das Opfer soll die Götter versöhnen –, ist aus Sicht des Alten Testaments und des Judentums Gott vielmehr der Stifter eines Rituals an dessen Ende Sündenvergebung steht. Er ist das Subjekt, nicht das Objekt des Opfers“, sagt Kraus. Solche und weitere Deutungen werden die Wissenschaftler vom 15. bis 17. Oktober erörtern.

Die Tagung wird gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, die Evangelische Kirche der Pfalz, die Evangelische Kirche im Rheinland und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern.


Kontakt: Prof. Dr. Wolfgang Kraus (Evangelische Theologie, Universität des Saarlandes) Tel. 0681 302-3144, -3664; E-Mail: w.kraus@mx.uni-saarland.de

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