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Weniger Rückfälligkeit durch verbesserte Bildungsangebote für weibliche Inhaftierte in Europas Haftanstalten


Abschluss des EU-Projekts “FEFI – Finding Education for Female Inmates” zur Bildungssituation weiblicher Inhaftierter in verschiedenen europäischen Ländern

24.09.2015

Frauenhaftanstalten sollen Lernorte sein, in denen Bedürfnisse, Probleme und entsprechende Bildungs- und Qualifizierungsangebote für weibliche Inhaftierte im Mittelpunkt stehen. Diese Forderung ist eines der zentralen Ergebnisse des multilateralen Projekts “FEFI – Finding Education for Female Inmates”, in dem seit November 2013 Organisationen aus Wissenschaft und Praxis aus Zypern, Finnland, Deutschland, Italien, Frankreich, Malta, Belgien und der Türkei zusammengearbeitet haben. Die Europäische Union hat das FEFI-Projekt unter Federführung des Zentrums für wissenschaftliche Weiterbildung (ZWW) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) in den vergangenen zwei Jahren mit einem Gesamtbudget von 400.000 Euro im Rahmen des EU-Programms GRUNDTVIG gefördert. Das Ziel war, ausgehend von der Befragung weiblicher Inhaftierter und des Vollzugspersonals bezüglich ihrer Wünsche und Bedürfnisse, neue Maßnahmen zu Bildung und Qualifizierung zu entwickeln. Darüber hinaus galt es, Empfehlungen für eine erfolgreiche Resozialisierung von weiblichen Inhaftierten durch verbesserte und vermehrte Angebote in formeller und informeller Bildung zu erstellen.

In allen am Projekt beteiligten Ländern sind Frauen in Haftanstalten eine unterrepräsentierte Gruppe aufgrund ihres geringen Anteils von drei bis sieben Prozent an den insgesamt Inhaftierten. Die Auswertung der Befragung von 440 weiblichen Inhaftierten und 133 Vollzugsbeamten durch die FEFI-Partner hat verdeutlicht, dass weibliche Gefangene spezifische Bedürfnisse haben: Ihre geringe Zahl macht die Bildung thematischer Gruppen problematisch, zumal die Dauer ihrer Haftstrafen variiert. Viele weibliche Häftlinge haben in der Vergangenheit Formen von Missbrauch erlitten, leiden unter psychischen Problemen und sind alkohol- oder drogenabhängig. Sie sind von ihren Kindern getrennt, für die sie in einigen Ländern das Sorgerecht mit Antritt der Haftstrafe verloren haben, und haben ein geringes Selbstwertgefühl bezüglich ihres Lernerfolgs und in ihrer Rolle als Mütter. Sie sind sich ihrer Schwächen und Stärken nicht bewusst. All dies macht eine allgemeine und berufliche Bildung mit weiblichen Insassen grundsätzlich problematischer als im männlichen Vollzug, zumal passende Bildungsangebote in den Anstalten und durch das Gefängnispersonal in den meisten Fällen nicht gewährleistet ist. Zudem verdeutlichten die Befragungsergebnisse, dass es kulturelle Grenzen hinsichtlich der personellen und sachlichen Ausstattung sowie der Haftzeiten zwischen den teilnehmenden Staaten im Norden und Süden gibt. Aus diesen Ergebnissen der Erhebung haben die FEFI-Partner mittlerweile neue Maßnahmen zur Bildung und Ausbildung weiblicher Inhaftierter entwickelt.

Die aus den Ergebnissen der Befragungen abgeleiteten Bildungsmaßnahmen wurden an die jeweiligen Ergebnisse und Situationen in den Partnerländern angepasst. Sie konzentrierten sich im Sinne eines systemischen Ansatzes auf die folgenden drei Aspekte: Maßnahmen für die Inhaftierten, Maßnahmen für das Personal sowie Maßnahmen bezogen auf die strukturellen Bedingungen im Frauenvollzug. Die meisten in den Ländern entwickelten Maßnahmen waren direkte Angebote für inhaftierte Frauen, da diese am Vordringlichsten erschienen. Während der Umsetzung dieser Angebote wurde aber deutlich, dass auch die beiden weiteren Maßnahmen notwendigerweise zu berücksichtigen waren, so wie es in den Angeboten insbesondere von Malta und Rheinland-Pfalz angelegt war.

Die FEFI-Partner und ihre Arbeit orientieren sich an einem Resozialisierungsansatz, der die weiblichen Inhaftierten und ihre Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellt. Entsprechend sollen Gefängnisse sich auch als Lernorte verstehen, an denen weibliche Gefangene die notwendigen Angebote und Unterstützung erhalten, um persönliche und soziale, aber auch berufliche Kompetenzen für die Zeit nach der Haft zu entwickeln. Um diese Chancen auf Wiedereingliederung zu verbessern, braucht es eine gemeinsame koordinierte Vorgehensweise, die alle Akteure der Haftanstalten – vom Sozialdienst über das Sicherheitspersonal bis hin zur Führungsebene – sowie die weiblichen Inhaftierten selbst einschließt. Letztere bedürfen Unterstützung in allen Lebensbelangen, einschließlich Gesundheit, Familie, Ausbildung, Wohnung etc. Ausbildungs- und andere Hilfsangebote müssen ganzheitlich angelegt und von der Inhaftierten mitgetragen und mitentwickelt werden. “Nur ein Resozialisierungsansatz, der Lernen als Kontinuum begreift und der durch die weiblichen Inhaftierten mitgestaltet wird, hat eine Chance auf langfristigen Erfolg”, betont Projektleiterin Iris Thimm-Netenjakob vom Zentrum für wissenschaftliche Weiterbildung an der JGU. Das ZWW ist bereits seit 2009 in mehreren europäischen Projekten zum Thema Bildung im Vollzug tätig und setzt sich hier stets für den fachlichen Dialog auf nationaler und internationaler Ebene ein.

Zu den gemeinsamen Empfehlungen, die von den FEFI-Partnern zum Abschluss der Projektförderung als unerlässlich angesehen werden, um eine erfolgreiche Resozialisierung ehemaliger weiblicher Inhaftierter zu gewährleisten und so langfristig deren Kriminalität in Europa zu senken, zählt die Forderung, die Bedürfnisse weiblicher Inhaftierter ins Zentrum ihres Lernprozesses zu stellen und den Frauenvollzug so zu organisieren, dass sowohl eine erfolgreiche Resozialisierung als auch ein kontinuierlicher Prozess von Lernen und Ausbildung für die Frauen möglich wird. Um dies zu unterstützen, muss das Personal entsprechend sensibilisiert und qualifiziert werden, dass es seiner Rolle zur Motivierung und Förderung weiblicher Inhaftierter für Bildungs-, Reha- oder Arbeitsangebote gerecht werden kann.

Mit den Maßnahmen sowie den Empfehlungen macht das FEFI-Projekt deutlich, wie erfolgreiche Lern- und Bildungsansätze in Haftanstalten konzipiert und umgesetzt werden können. Sowohl auf nationaler wie auf europäischer Ebene setzen sich die FEFI-Partner für vermehrte und geeignete ganzheitliche Ausbildungsprojekte für weibliche Inhaftierte ein. Ohne die entsprechenden finanziellen und personellen Investitionen lassen diese sich jedoch nicht langfristig realisieren.

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http://www.uni-mainz.de/presse/72617.php


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